Ein historischer Wendepunkt in der europäischen Motorenfertigung
Das Werk Douvrin in Nordfrankreich war über fünf Jahrzehnte lang ein Symbol für die europäische Motorentechnologie. Seit seiner Gründung im Jahr 1969, ursprünglich als „Française de Mécanique“ von Peugeot und Renault betrieben, wurden dort mehr als 40 Millionen Motoren produziert – darunter auch der legendäre V6 PRV.
Doch nun leitet Stellantis, der viertgrößte Automobilkonzern der Welt, einen radikalen Wandel ein: Die Produktion der bekannten PureTech-Benzinmotoren (1.2 EB2) und der BlueHDi-Dieselmotoren (1.5 DV5)wird in den kommenden Monaten komplett eingestellt.
Was genau wird eingestellt – und wann?
Am 1. November 2025 wird die Fertigung der 1.5 BlueHDi-Dieselmotoren eingestellt. Der 1.2 PureTech-Benziner, der in zahlreichen Fahrzeugen wie dem Peugeot 208, Opel Corsa oder Citroën C3 zum Einsatz kommt, wird noch bis 2026 weitergebaut – ein genaues Enddatum steht jedoch noch aus.
Diese Entscheidung betrifft nicht nur Frankreich, sondern hat Auswirkungen auf ganz Europa, inklusive Deutschland, wo viele Fahrzeuge mit diesen Antrieben unterwegs sind.
Warum dieser Schritt? Die Strategie von Stellantis
Stellantis verfolgt das Ziel, bis 2030 den Übergang zur Elektromobilität massiv zu beschleunigen. Verbrennungsmotoren verlieren strategisch an Bedeutung. Gleichzeitig wird in Douvrin – direkt neben dem bisherigen Werk – eine hochmoderne Gigafactory betrieben. Diese gehört zum Joint Venture ACC (Automotive Cells Company), einer Partnerschaft zwischen Stellantis, Total Energies/Saft und Mercedes-Benz.
Dort werden Lithium-Ionen-Batterien für künftige Elektrofahrzeuge gefertigt. Rund 330 Mitarbeiter wurden bereits in den neuen Bereich versetzt. Weitere 370 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2026 folgen – entweder innerhalb der Gigafactory oder an anderen Stellantis-Standorten wie Hordain oder Valenciennes.
Was bedeutet das für den deutschen Markt?
Obwohl sich das Werk in Frankreich befindet, sind die Auswirkungen auch für deutsche Kunden und Branchen Akteure spürbar:
● Lieferketten: Viele Komponenten für diese Motoren stammen aus Deutschland oder wurden hier weiterverarbeitet.
● Fahrzeugmodelle: Die genannten Motoren wurden in Modellen verbaut, die auf dem deutschen Markt weit verbreitet sind.
● Elektro-Zukunft: Der Wandel fördert die europäische Batteriefertigung – ein strategischer Vorteil für eine unabhängige E-Auto-Produktion in Europa.
Kritik und Sorgen der Arbeitnehmer
Die Umstellung wird nicht überall positiv aufgenommen. Gewerkschaften kritisieren, dass nicht alle Mitarbeitenden Automatisch für den Wechsel in die Gigafactory qualifiziert seien. Auch sei bisher keine dreiseitige Vereinbarung Zwischen Unternehmen, Staat und Region unterzeichnet worden, um den sozialen Übergang abzusichern.
Stellantis versichert jedoch, dass Entlassungen vermieden und umfassende Weiterbildungsmaßnahmenangeboten werden.
Welche Modelle waren betroffen?
Die Motoren PureTech 1.2 und BlueHDi 1.5 kamen in vielen beliebten Modellen zum Einsatz:
● Peugeot 208, 2008, 308, 3008
● Citroën C3, C4, C5
● Opel Corsa, Astra, Crossland
● DS3, DS4, DS7
Wer ein solches Modell fährt, muss sich keine Sorgen machen – Ersatzteile, Wartung und Unterstützung bleiben über Jahre hinweg gesichert.
Was können Sie als Autofahrer tun?
Wenn Sie ein Fahrzeug mit PureTech- oder BlueHDi-Motor fahren, ist es ratsam, regelmäßig Wartungen durchführen zu lassen und bei Bedarf rechtzeitig Ersatzteile oder Verschleißteile zu bestellen – z. B. Reifen, Filter oder Bremsen.
Fazit: Ein Abschied mit Weitblick
Der Abschied von PureTech und BlueHDi markiert das Ende einer Ära – und den Beginn einer neuen. Stellantis setzt voll auf Elektromobilität und Batterieproduktion in Europa. Für viele ist das ein mutiger Schritt in die Zukunft – auch wenn er mit Unsicherheit und Wandel verbunden ist.
Als Autofahrer und Branchenbeobachter lohnt es sich, diesen Wandel aktiv zu begleiten. Ob durch bewusste Fahrzeugwahl oder nachhaltige Pflege: Der Umbruch der Automobilwelt ist in vollem Gange.
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